KLAVIERMUSIK-EPOCHEN-2017

KLAVIERMUSIK AUS VERSCHIEDENEN EPOCHEN
4. März 2017 im Musentempel

In vier Stunden durch alle Epochen der Klaviermusik

Junge Pianistinnen und Pianisten des Piano-Podium Karlsruhe im Marathonkonzert

Klaviermusik vom Feinsten war beim Konzert im Musentempel angesagt – eine Fülle von Werken von Bach bis in die Gegenwart - interpretiert von mehr als zwanzig jungen Talenten des Piano-Podiums Karlsruhe.

Zum Auftakt stellte sich der knapp elfjährige Georg Schäfer mit dem 1.Satz aus Bachs Concerto nach Italienischem Gusto vor, das er wie auch zwei gegensätzliche eigene Stücke und den Wilden Reiter aus Schumanns Album für die Jugend mit voller Konzentration und sichtlicher Spielfreude bewältigte. Zhiting Wang und Luca Vucelic zeigten in Stücken von Ibert viel Witz. Mit Gefühl und Ausdruckskraft interpretierte Hanna Schöber Chopins Fantaisie-Impromptu. Drei Sätze aus Bachs Partita B-Dur ließen Katharina Stein­­hausens sorgfältige Vorbereitung erkennen, während Julian Finckh bei Edvard Griegs op. 43 Nr. 1 seine Finger so elegant über die Tasten gleiten ließ, dass man den „Schmetterling“ förmlich im Musentempel flattern sah. Julia Prikhodko gelang mit dem Notturno op. 54 Nr. 4 von Grieg ein stimmungsvoller und klangschöner Vortrag. Anschließend erfreute als jüngster Spieler der gerade siebenjährige Alan Chomoev die Zuhörer mit kleinen Stücken von Béla Bartók und Elena Gnessina. Auch die achtjährige Anna Saklakov gefiel mit sauber gespielten Stücken von Striborgg und Kabalevsky.

Die Geschwister Johanna und Jacob Klocke hatten Rachmaninoff und Prokofieff im Repertoire und zeigten mit ihren individuellen Vorträgen erstaunliche Fingerfertigkeit und packenden Zugriff. Regina Gajnanow gelang mit der Sonatina romantica von Alexander Britsin eine wohlklingende Interpretation. Die Kunst des Vierhändig-Spiels verlangte den gut aufeinander eingespielten Partnerinnen Johanna Herz und Sophia Heidecker in Schuberts Rondo A-dur so einiges an Durchhaltevermögen und Acht­samkeit ab, was vom aufmerksamen Publikum mit reichlich Applaus belohnt wurde. Als Höhepunkt und glanzvoller Abschluss des ersten Konzertteils stand Ravels Klavierkonzert G-Dur auf dem Programm, das Minkyung Kim temperamentvoll und mit großer Leidenschaft darbot - mit makelloser Geläufigkeit in den schnellen Ecksätzen und zart und klangschön im Adagio – immer aufmerksamst unterstützt von Prof. Sontraud Speidel, die am zweiten Flügel den Orchesterpart übernommen hatte.

Nach der Pause beeindruckte Johanna Herz – jetzt solistisch - mit Bachs Sinfonia h-moll. Dann lieferte Charlotte Kaiser eine temperamentvolle Interpretation des 3. Satzes aus Mozarts Sonate A-dur KV 331 und schloss ihren beeindruckenden Vortrag mit Chopins Minutenwalzer ab. Nochmal Bach - klar und akzentuiert - dazu ein klangschönes Chopin-Scherzo präsentierte Sophia Dieringer. Karla Böhnert gefiel in anspruchsvollen Kompositionen von Liszt und Ginastera.. Dennis Kozarov ließ bei Haydn, Chopin und Strawinsky aufhorchen. Schließlich lieferte Linda Grizfeld im Reigen der jungen Talente eine ausdrucksstarke Interpretation des 1. Satzes der Appassionata von Beethoven

Wer danach keine Steigerung mehr für möglich hielt, wurde u.a. von Amy Reiss eines Besseren belehrt: Hier konnte man in allen Sätzen von Schuberts Sonate a-moll op. 42 eine innige Zwiesprache der jungen Künstlerin mit ihrem Instrument spüren. Äußerst effektvoll und kontrastreich gestaltete anschließend die sehr junge Shion-Linda Kratzer Mendelssohns Rondo capriccioso: Auch die erst neunjährige Laura Krieg spielte ihre Beiträge:von Bartók und Berkowitsch mit feinem Klang.

Nach fast vierstündiger Konzertdauer wartete auf die Zuhörer im Musentempel nun noch ein absolutes Highlight: Der erst 19jährige Uram Kim als Solist im 2. Klavier­kon­zert von Rachmaninoff. Der in der Klavierklasse von Prof. Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik Karlsruhe studierende Koreaner gestaltete das c-moll-Konzert zusammen mit Hyunhee Hwang (Orchesterpart am zweiten Flügel) zu einem Feuerwerk mit raffinierten Klangnuancen – technisch brillant und souverän. Ein beeindruckender Auftritt beim Piano-Podium Karlsruhe. Und gleichzeitig - darin war sich das fachkundige Publikum einig - auch ein großer Schritt in Richtung beruflicher Zukunft als Konzertpianist! (BNN, ith)


Die Pianistinnen und Pianisten des 1. Teils


Die Pianistinnen und Pianisten des 2. Teils